Teure Bücherbörse für Belletristik

Was lässt sich mit rund 30.000€ jährlich umsetzen? Etwa die Beratungszeiten in den Ferien ausweiten oder Studierende mit Kind durch Betreuungsangebote besser unterstützen. 30.000€ ließen sich aber auch dazu verwenden, vermehrt die Möglichkeit für Studierende zu schaffen, ihre nicht mehr benötigten Lehrbücher anderen Studierenden zur Verfügung zu stellen, vor allem wenn man berücksichtigt, dass am Semesteranfang sehr viel Geld (je nach Studienrichtung mehrere hundert Euro) für den Kauf neuer Bücher ausgegeben wird. Dieses Problem wurde natürlich auch von der ÖH Uni Wien Exekutive aufgegriffen: So werden jährlich über 30.000€ für die Förderung einer zentral am Neuen Institutsgebäude gelegenen Bücherbörse ausgegeben. So weit so gut.

Allerdings lohnt sich ein genauerer Blick auf jene Bücherbörse: Dort finden sich auf vergleichbar kleinem Raum mehrere Regale voller Belletristik Bücher. Wer nun gerade auf der Suche nach abgegriffenen Rosamunde Pilcher oder Donna Leon– Büchern ist, dem sei diese Bücherbörse sehr ans Herz gelegt. Wer allerdings nach fachspezifischen Büchern für seine Studienrichtung sucht, wird den Weg vergeblich auf sich genommen haben. Im besten Fall ergattert man umgeben von banalen Liebesromanen die eine oder andere Ausgabe des Kapitals von Marx. Von studienrelevanter Fachliteratur meist keine Spur. Dies ist allerdings erst die Spitze des Eisberges – Bücher aus den Fachbereichen BWL,VWL und Jus werden trotz gegenteiliger Aussagen in Sitzungen des Finanzausschusses erst gar nicht angenommen. Der Grund für die verwunderliche Tatsache, dass man tonnenweise Belletristik annimmt, Büchern aus bestimmten Studienrichtungen aber die Aufnahme verwehrt, ist nicht bekannt, auch wenn dieser Sachverhalt mehrmals von Seiten der Opposition in der ÖH Uni Wien bei Sitzungen der Universitätsvertretung angesprochen wurde. Ebenso wie das Faktum, dass die offiziellen Öffnungszeiten von Seiten der Bücherbörse selten eingehalten werden und man 14 oftmals vor geschlossener Türe mit dem Zettel „Sind gleich wieder da“ vertröstet wird.

Angesichts dessen fragt man sich, ob eine solche Bücherbörse wie sie derzeit geführt wird, überhaupt einen erkennbaren Mehrwert für Studierende erbringt. Zudem sei erwähnt, dass die 30.000€ fast ausschließlich durch Personalkosten bedingt sind. Ob eine derart geringe Qualität bei derart hohen Kosten zu rechtfertigen ist, ist mehr als fraglich.

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